Nachdem heute (01.03.2011) die sogenannte „Causa Guttenberg“ ihr unrühmliches Ende in dem Rücktritt des Verteidigungsministers gefunden hat, scheint es mir eine gute Gelegenheit, anhand dieses Negativbeispiels „Die Macht des Social Media Marketing“ zu zeigen. Vor allem aber, und das halte ich für noch wichtiger, zu erklären wie alles hätte anders laufen können. Besonders in der Kommunikation erklärt sich einiges einfach einfacher anhand von Beispielen.

Vor nur 5 Jahren, wäre die Geschichte wahrscheinlich so abgelaufen: Ein unbekannter Professor entdeckt, dass in der Dissertation geschummelt wurde. Er geht damit an die Presse, wahrscheinlich ein eher für Intellektuelle geeignetes Blatt welches ihm am nächsten steht, es wird also nur von einer Gruppe Menschen gelesen, die den Kopf schütteln und zur Tagesordnung übergehen. Jawoll PUNKT

Im Jahre 2011 läuft aber diese Geschichte anders ab und zwar, weil die virtuelle Vernetzung inzwischen bereits derart gewachsen ist, dass der berühmte „Flügelschlag eines Schmetterlings“ ausreicht, einen Sturm zu entfachen, der alte (auch adlige) Eichen umreißen kann. Im Zeitalter der sozialen Medien verläuft die Entdeckung des bis dato unbekannten Professors eben nicht im Sande der klassischen Medien, sondern wird weiter getragen, genauer hinterfragt und solange von immer mehr Menschen bemerkt, bis keiner mehr irgendetwas unter den Teppich kehren kann.

Ausführlicher beschreibt das der Artikel auf Spiegel Online:

Netz besiegt Minister

Am heutigen Dienstag ist endgültig klar geworden: Gerhard Schröders altes Bonmot, zum Regieren brauche er nur „Bild, Bams und Glotze“ stimmt nicht mehr. Zumindest dann nicht, wenn sich jemand tatsächlich etwas hat zuschulden kommen lassen.

Ich werde jetzt ganz sicher keine Wertung vornehmen, ob das immer zum besten Ergebnis führt, oder meine persönliche Meinung zur „Causa Guttenberg“ hier hinein mischen, denn es soll hier nicht um Politik gehen, sondern um Kommunikation. Unabhängig davon ob Guttenberg als guter oder schlechter Politiker betrachtet wird, eines ist er auf jeden Fall… ein extrem schlechter Krisenmanager.

Wie hätte es laufen können?

Wer auf dieser Seite hier regelmäßig mit liest, erinnert sich bestimmt noch an die Punkte im zweiten Social Media Frühstückchen die für die sozial-mediale Kommunikation so herausragend wichtig sind: Wahrheit | Klarheit | Wichtigkeit oder anders ausgedrückt Transparenz | Glaubwürdigkeit | Relevanz. Das habe ich am 12.02. geschrieben und da gab es noch keine „Causa…“ Tatsächlich habe ich nach den ersten beiden öffentlichen Auftritten des „Ertappten“ gedacht: „Wenn der in meinem politischem Umfeld unterwegs wäre, ich würde ihm den Link schicken mit der dringenden Bitte sehr genau zu lesen“ 😉

Also, erster Auftritt des Dr. z G. „Die Vorwürfe sind abstrus“ Heute wissen wir aber,dass diese Vorwürfe nicht nur nicht abstrus waren, sondern sogar nur die Spitze des Eisberges. Die Parole: „Angriff ist die beste Verteidigung“ funktioniert heute aber nicht mehr. Wahrscheinlich erinnert jeder von uns sich an eine Situation, in der wir gedacht haben: „Ui, wenn das mal nicht auffliegt“ und dann haben´s die Eltern doch herausgefunden und wir hatten die Wahl, einfach zu geben und kurz Ärger über sich ergehen lassen, oder weiter abstreiten, was der Erfahrung nach noch sehr viel mehr Ärger nach sich zog, weil die Eltern jetzt auch noch wg. weiteren Lügen noch wütender oder enttäuschter wären. Falls Sie Kinder haben, kennen Sie vielleicht auch das Gefühl… Ja, so einfach ist das. Wenn man schon beim Mist bauen erwischt wurde, ist´s es doch besser wenigstens dann dazu zu stehen und die Konsequenzen zu übernehmen, die dann grundsätzlich wesentlich weniger schlimm ausfallen als wenn man versucht sich via Lügen vor den Folgen des eigenen Fehlers zu drücken.

Zweiter öffentlicher Auftritt: „Ich betone vorübergehend!“ Statt sich der Journalie in der Bundespressekonferenz zu stellen, lieber ein kurzes Statement vor ausgewählten Pressevertretern. Die öffentlich nachgewiesenen Fehler vorsichtig eingeräumt, aber auch die zweite Gelegenheit, klar zu sagen:“Ja, ich habe da richtig großen Mist gebaut und übernehme die Verantwortung, wie ich es von meinen Mitmenschen ja ebenso erwarte“ verpasst. Dieses Mal sogar die Presse massiv verprellt. Wenn Sie aber die Medien nutzen um Ihren Zielen schneller näher zu kommen, dürfen Sie diese nie belügen oder respektlos behandeln, dass geht immer schief. Was in die eine Richtung funktioniert, wirkt in die andere eben manchmal noch viel schlimmer.

Es folgten ja noch mehr öffentliche Auftritte, die -wie wir heute wissen- eine Unwahrheit nach der anderen ans Tageslicht beförderten und immer eine gewisse Arroganz vermittelte. „Arroganz ist die kleine Schwester der Angst!“ ein Spruch den ich irgendwann einmal aufgeschnappt habe… in diesem Fall scheint er zu passen. Wenn Sie den Eindruck haben, die Medienmacher seien wie wilde Tiere, dann stimmt es spätestens an diesem Punkt tatsächlich und wie ein wildes Tier -oder auch der sonst ganz liebe Haushund- wittern sie Angst, beißen sie zu. In vielen Lebensbereichen gilt doch, Angst ist gefährlich, aber der nötige Respekt kann Leben retten. Auch wenn es bei dem Umgang mit den Social Medias so dramatisch nun auch wieder nicht zugeht… Besonders in der Krisenkommunikation sind Begriffe wie Respekt und Demut überlebenswichtig. Hat die Eigendynamik im Web erst einmal Fahrt aufgenommen, haben die „Wilden Tiere“ in diesem Dschungel die Witterung aufgenommen, ist das nicht mehr zu bremsen. Auch wenn Sie für sich gerade entschieden haben, lieber nicht im Social Web aktiv zu werden, bedenken Sie, Ihr Produkt, Ihre Dienstleistung oder Ihr Firmenname sind schon im Web. Besser Sie können Einfluss nehmen und bekommen mit was dort passiert, denn ist ein Thema erst aus den neuen in die klassischen Medien geschwappt, ist die Welle schon so hoch, dass keiner sie mehr aufhalten kann.

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