Am Anfang steht die Frage: Wie anfangen?

In vielen Gesprächen, im Zusammenhang mit meiner Vortragsreihe „Die Macht des Social Media Marketing“, wird häufig die Frage gestellt: Wie fange ich denn jetzt an? Die Abneigung gegen Twitter lässt nach und das eben dieses „Gezwitschere“ sich zum Dreh und Angelpunkt für viele Social Mediale Aktionen entwickelt hat, scheint sich inzwischen auch zu verfestigen. Im Social Media Marketing geht es ja in erster Linie darum, mit Menschen ins Gespräch zu kommen und diese Gespräche fangen oft auf Twitter an.

Wie nun aber mit den Menschen ins Gespräch kommen, die meinem Unternehmensziel dienen? Zuerst einmal genau diesen Gedanken streichen, denn würde jeder nur twittern um sein Unternehmensziel zu erreichen, dann kämen ja gar keine Gespräche in Gang. Jeder würde ständig nur verkünden, was er gerade verkauft und auf unseren Bildschirmen wäre nur noch Werbung die keinen interessiert zu lesen.

Social Media Marketing funktioniert nur dann, wenn das Wort „Social“ dabei im Vordergrund steht. Wenn sich also alles nur ums Business dreht, dann würde es Business Media Marketing heißen und dieses Umdenken muss zuallererst passieren, sonst sind Sie schnell als Spammer im Web verschrien. Um also „social“ zu agieren, kommen sie mit den Menschen ins Gespräch, die ihre Interessen teilen, knüpfen dabei „soziale Kontakte“ es bilden sich, um Sie herum, Interessengruppen in denen ihre Themen im Vordergrund stehen. Aus gemeinsamen Interessen entwickeln sich Beziehungen, die auf Vertrauen beruhen und wem man vertraut, den empfiehlt man auch eher.

Wie komme ich jetzt zum Business? Ganz einfach… Mit was haben Sie sich denn selbständig gemacht? In welchem Fach arbeiten Sie denn? Aha, Sie haben natürlich das zum Beruf gemacht, was Sie besonders gerne machen. Die Themen die innerhalb Ihrer Branche im Vordergrund stehen, sind für Sie auch außerhalb der Geschäftszeiten interessant und wichtig. Sie unterhalten sich also auch in Ihrer Freizeit gerne über das, was in Ihrem Job diskutiert wird. Sollte dies alles nicht der Fall sein, dann haben Sie grundsätzlich etwas falsch gemacht und werden auch mit Hilfe der Social Medias nicht erfolgreicher sein als jetzt.

Der Begriff „Authentizität“ taucht im Zusammenhang mit Social Media immer wieder auf. Ja, es ist sogar die Basis aller erfolgreichen Social Media Aktivitäten, denn wer nicht authentisch im Social Web unterwegs ist, ist auch nicht glaubwürdig. Wenn Sie sich als Experte „verkaufen“ für Themen in denen Sie nicht 100% Bescheid wissen, wird die digitale Gemeinschaft dies sehr schnell  heraus finden und Sie bloß stellen. Außerdem ist es ja wirklich nervig und anstrengend, wenn man ständig wieder seiner Natur kommunizieren muss, nur um ein Scheinbild zu pflegen. Am besten ließe sich das mit dem Versuch vergleichen, in einem Sprachraum Geschäfte machen zu wollen, dessen Sprache sie nicht beherrschen. Beginnen Sie also ihre Social Media Aktivitäten in einem Sprachraum, in dem Sie sicher sind und in dem Sie sich wohl fühlen. Das bedeutet auch für ihre ersten Schritte bei Twitter, kommen Sie mit den Menschen ins Gespräch, die ihre Sprache sprechen.

Es macht Sinn, vom ersten Tag an 5-10 Tweets pro Tag zu schreiben, auch wenn Sie noch gar keine Follower haben, die das lesen. Warum das so ist? Weil jeder dem Sie folgen in ihr Profil schaut um zu sehen, ob er zurück folgen möchte und wenn da schon einiges steht, das denjenigen interessiert, folgt er ihnen natürlich lieber. Die Timeline bei Twitter (der Stream in dem steht, was diejenigen schreiben, denen Sie folgen) sollte ja möglichst nur Informationen enthalten, die Sie auch interessieren, Sie achten also darauf, bevor Sie jemandem folgen, was der so den ganzen Tag twittert. „Social“ funktioniert nur, wenn ich Lust habe zu lesen was andere schreiben, wenn da nur steht, verkaufe dies biete das, dann langweilt es mich, denn mein Interesse an sozialer Kommunikation wird nicht bedient. Sie sind sicherlich öfter Kunde als Anbieter, überlegen Sie also einfach mal, wie Sie schreiende Anbieter empfinden…

Was soll ich denn da schreiben, 5-10 Tweets am Tag, soviel hab ich doch gar nicht mitzuteilen? Sicher? Lesen Sie morgens Zeitung bzw. Online Medien um sich darüber zu informieren, was in der Welt so alles passiert ist über Nacht? Schauen Sie über Tag immer mal in Fachmedien, die ihr Geschäft oder ihre Hobbys betreffen? Dort stehen doch immer auch Infos und News, die Sie twittern könnten, bei online Medien sogar gleich mit dem Link zur Info. Sie fahren zu einem Termin und stehen im Stau, lassen Sie die Twitter Welt wissen, wo dieser Stau ist. Die Bahn verspätet sich? Dann ist das doch eine wichtige Information für alle, die vielleicht die gleiche Strecke mit der Bahn fahren wollen. Ihr Sportverein spielt am Wochenende um einen Titel? Na das interessiert doch die Menschen, die sich für den gleichen Sport begeistern wie Sie. In ihrer Branche passiert gerade etwas besonderes, Messen, Kongresse und ähnliches? Menschen die sich für diese Branche interessieren, freuen sich darüber diese Info zu bekommen. Sie stehen vor einer Herausforderung und brauchen Rat oder Unterstützung? Fragen Sie doch mal über Twitter, im Social Web findet sich für jedes Thema jemand der helfen kann und weil es das „social“ Web ist, hilft man einander gerne! Ich könnte jetzt noch ewig so weiter schreiben, aber ich nehme an, Sie ahnen, worauf ich hinaus will. Schreiben Sie einfach über all die Dinge, die sie selber auch gerne lesen möchten in ihrer Timeline. Im Laufe der Zeit werden sich genau diejenigen um Sie versammeln, die sich für die gleichen Themen interessieren wie Sie. Also Menschen die ihre Sprache sprechen!

Geben Sie dem Ganzen ein wenig Zeit, dann entwickelt sich ihre Timeline zur interessantesten Informationsquelle und ihr Netzwerk zu einer Peer Group, die Sie empfiehlt und Sie zum Experten ernennt, wenn Sie das auch wirklich sind. Kommen Sie zuerst einmal mit den Menschen ins Gespräch, ihre Zielgruppe entsteht dabei ganz von alleine.

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